Neuer Senat hat sich konstituiert

Jetzt sind wir endlich mit dabei – für Paula Zill, Dennis Kwiatkowski und Erik von Malottki heißt es: wieder mit dabei! Pünktlich um 14 Uhr eröffnete Professor Dr. Jürgen Kohler die Sitzung. “Da die ehemalige Senatsvorsitzende, Frau Schafmeister befand, dass ich offensichtlich der älteste in diesem Senat sei, darf ich heute bis zur Wahl einer neuen Senatsvorsitzenden die Sitzung leiten”, erklärte “Alterspräsident” Kohler das Verfahren. Als es dann um die Wahl einer neuen Senatsvorsitzenden ging, herrschte jedoch für einen Moment betretenes Schweigen. Alle warteten darauf, dass irgendwer einen Kandidaten oder eine Kandidatin vorschlägt.

Studentische Vertreter schlagen Professorin Schafmeister als Senatsvorsitzende vor

Um die Stille zu überbrücken, ergriff Georg Beyer die Initiative und schlug die ehemalige Senatsvorsitzende Professor Dr. Maria-Theresia Schafmeister vor. Da Professorin Schafmeister bereits den meisten Senator_innen hinlänglich bekannt war, wurden keine Fragen gestellt, die Wahl schnell vollzogen. Professorin Schafmeister wurde bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme gewählt. Es folgte der Vorschlag einer Stellvertreterin. Sie schlug Frau Dr. Margitta Kuty als ihre erste Vertreterin im Senat vor. “Sie sitzt nicht nur in der Anglistik und in der Philosohischen Fakultät, sie ist auch eine Kennerin der Geisteswissenschaftlichen Materie und mit dem Themenkomplex Lehrerbildung vertraut, die mir ebenfalls sehr wichtig ist”, begründete die Senatsvorsitzende ihren Vorschlag. Frau Dr. Kuty wurde ebenfalls mit großer Mehrheit gewählt.

Nachdem Professor Kohler und Professorin Schafmeister die Plätze tauschten, übernahm die alte und neue Senatsvorsitzende wieder die Zügel des Senats. Es folgten gleich zahlreiche Fragen zum Rektoratsbericht, so beispielsweise zum Nightline-Projekt und zum Umzug der Fachbibliothek Geschichte.

Fachbibliothek Geschichte zieht endlich um!

Die FB Geschichte wird umziehen! Zuletzt war die Diskussion um die Fachbibliothek schon fast zum Treppenwitz der Geschichte der Universität verkommen, da der Umzugstermin von Senatssitzung zu Senatssitzung verschoben wurde und es immer wieder neue Gründe gab, warum die Bibliothek, als die Sanierung abgeschlossen war, eben gerade nicht umziehen konnte. Doch was lange währt wird endlich gut. Eine weitere Verschiebung hätte sich die Univerwaltung wohl kaum leisten können, wenn man bedenkt, wieviel Krach die Lehrenden und Studierenden des Historischen Instituts zu Recht (!) geschlagen haben.

Zum Nightline-Projekt: Greifswalder Studierende haben ein Telefonseelsorge-Projekt von Studierenden für Studierende ins Leben gerufen, durch das Studierenden in Notsituationen schnelle Hilfe geleistet werden kann. Professor Dr. Westermann erklärte auf Nachfrage der Studierenden, dass er jenen Studierenden, die das Projekt initiieren, angeraten habe, sich durch eine Supervisorin schulen zu lassen und die “Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten.” Anfragen bezüglich eines Raumes gab es nicht.

Weitere Informationen zum Rektoratsbericht und zum Umzug der Fachbibliothek Geschichte könnt ihr auf dem webMoritz nachlesen.

Diskussion um Schließung des Beifaches Theologie

Nachdem die Berichte und Fragen zu den Berichten mehr oder weniger zügig abgearbeitet waren, folgten Anhörungen des Senats. Die Vorlage aus der Haushaltskomission, die zweite Mittelverteilung zu kürzen, wurde ohne Diskussion mehr oder weniger durchgewunken. Zum Hintergrund: Bisher vergab das Rektorat an die Fakultäten jährlich zum Ende des Jahres immer eine zweite Mittelverteilung, die für Tutorien, Bücher etc. eingesetzt werden konnten. Da allerdings die Entlohnung der Lehrenden an den Universitäten erhöht wurde, steht in absehbarer Zeit nicht mehr genügend Geld für die zweite Mittelverteilung zur Verfügung, weshalb sie ursprünglich ganz gestrichen werden sollte. Auf Protest der Philosophischen und Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät hin einigte man sich auf den Kompromiss, die zweite Mittelverteilung um etwa 50 Prozent zu kürzen.

Heftige Diskussion gab es jedoch bei der Anhörung zur Schließung des Lehramtsbeifaches “Evangelische Religion” zum Wintersemester 2012/13. Vor allem die Studierendenvertreter der Soli-Uni-Liste und Georg Beyer von der “Offenen Liste” kritisierten die von der Theologischen Fakultät angeordnete Schließung des Beifaches. Während die Soli-Uni-Liste auf Beschlüsse der Studierendenschaft und den des Fachschaftsrates Theologie verwies, hob Georg Beyer hervor, dass das von der Theologischen Fakultät angebrachte Argument, Lehramtsbeifächer würden in anderen Bundesländern nicht anerkannt, generell auf alle anderen Beifächer übertragen werden könnten und man somit in eine Sackgasse gerate. Generell sehen die Studierendenvertreter in der Abschaffung des Lehramtsbeifaches eine Schwächung des Lehramtsstudiums selbst. Schließlich stellt ein als Beifach studiertes Fach eine wichtige Zusatzqualifikation für Lehramtsabsolvent_innen dar. Aufgrund der breiter gefächerten Ausbildung sind sie vor allem in Geisteswissenschaften besser in der Lage, Querbezüge herzustellen, Überschneidungen zu erkennen, Zusammenhänge zwischen, beispielsweise Geschichte, Deutsch und Theologie, herzustellen. Darüber hinaus ermöglicht es Schulen, in Mangelfächern bei nicht-vorhandenem Lehrpersonal wenigstens Lehrkräfte einsetzen zu können, die wenigstens eine Grundlagenausbildung in einem weiteren Fach haben und denen das Fach somit nicht völlig fremd ist.

Bevor der öffentliche Teil abgeschlossen wurde, wurden noch Angelegenheiten der Universitätsmedizin besprochen. Im Mittelpunkt stand die Ausschreibung der W-1 Juniorprofessur für Experimentelle Radiologie, die jedoch ebenso nach kurzer Zeit ohne Diskussion abgesegnet wurde.

Besetzung der Ausschüsse

Das Wichtigste zum Schluss: Die Besetzung der Senatsausschüsse. Von unserer Soli-Uni-Liste heraus wurden Diana Treiber (SDS) und Simon Karrasch (Jusos) in die Senatsstudienkomission entsendet. Sie ist als einzige beschließende Komission der wichtigste Ausschuss des Senats. Wieder mit dabei ist Christopher Denda (Jusos) in der Bibliotheks- und Haushaltskomission. Neben ihm wird Hauke Schröder von den Hochschulpiraten mit in dieser Komission vertreten sein. In die Forschungs- und Strukturkomission konnte die Soli-Uni-Liste Dennis Kwiatkowski und Felix Scharge (beide Jusos) entsenden, während Christina Stobwasser und Jasmin Dinter (beide Grüne Hochschulgruppe) die studentische Vertretung in der Gleichstellungskomission sein wird. In der Haushaltskomission sitzen zukünftig Erik von Malottki und Frederik Hornkohl (beide Jusos). Von der Soli-Uni-Liste wird Christopher Bilz künftig einen der beiden studentischen Vertreter_innen der Satzungskomission stellen. Ivo Sieder (Liste Junge Union) wird der zweite Vertreter sein. In den Rektorwahlausschuss werden derweil Erik von Malottki und Peter Madjarov entsendet. Der Rektorwahlausschuss ist derzeit neben der Studienkomission der wichtigste Ausschuss des Senats, geht es doch hierbei um die Auswahl eines künftigen Rektor_innenkandidaten. Bleibt also festzuhalten, dass die Soli-Uni-Liste in sämtlichen Ausschüssen des Senats vertreten ist und bis auf die Satzungskomission beide studentische Vertreter_innen stellen wird. Von Seiten der anderen Listenvertreter_innen kamen im Vorfeld der Senatssitzung keine weiteren (konkurrierenden) Vorschläge zur Besetzung der Komissionen.

Abwechslungsreiche Sitzung, rege Diskussionen.

Insgesamt war die konstituierende Senatssitzung ausgesprochen vielversprechend. Während in der vergangenen Legislatur bestenfalls drei studentische Senator_innen sich zu Wort meldeten, gestaltete sich die erste Sitzung der neuen Legislatur als ausgesprochen abwechslungsreich, was vor allem für das Publikum auch interessant gewesen sein dürfte. Von den studentischen Vertreter_innen haben sich aus fast allen Listenvertretungen Studierende zu Wort gemeldet, nachgefragt, Statements abegeben. Auch auf der Seite der Professor_innen gab es immer wieder Nachfragen, Diskussionen, wobei die Beteiligung von Seiten der Studierenden über weite Strecken deutlich größer war, als die bei den anderen Statusgruppen. Nach dem Ende der ersten Senatssitzung der Legislatur sehen wir frohen Mutes auf das Jahr entgegen. Bleiben wir studentischen Vertreter_innen so aktiv wie bei der ersten Sitzung (oder besser: verstärken wir sie doch gleich! Klotzen, nicht Kleckern muss ja die Devise sein!), dürfte es noch zu recht spannenden Debatten kommen, die vielleicht (ja, hoffentlich) auch mal an der einen oder anderen Stelle zuspitzend werden könnten. Andernfalls macht Politik ja auch keinen Spaß und Demokratie verkommt zur Farce!

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