Neues Lehramtsstudium nach turbulenter Debatte abgesegnet

Turbulent – So lässt sich die Debatte um den Beschluss zum neuen Lehramtsstudium in der vergangenen Senatssitzung zusammenfassen. Zwar gab es bereits Beschlüsse der Fakultätsräte der Philosophischen und Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und auch in der Senatsstudienkommission wurden die neuen Studienordnungen nach einer sechsstündigen Debatte angenommen. Ein letztes Mal gab es noch einen Versuch, den Beschluss zur Modularisierung der Lehramtsstudiengänge aufzuhalten, um Zeit zu gewinnen, den Studiengängen den letzten Schliff geben zu können.  Professor Roland Rosenstock, Dekan der Theologischen Fakultät, wies darauf hin, dass die Frage der Realisierung des Propädeutikums noch ungeklärt sei, weshalb man die Studiengänge noch nicht verabschieden könne. Rosenstocks Fakultätskollege und Prorektor Professor Michael Herbst entgegnete, dass die Studienordnungen bereits sämtliche Institutionen durchlaufen hätten, Studierende aktiv mit einbezogen worden sind und es darüber hinaus gegenüber allen Beteiligten, die sehr viel Kraft und Zeit investierten, ungerecht wäre, würden diese Studienordnungen abgelehnt.

Ablehnung wäre Sackgasse gewesen

Professor Dr. Alexander Wöll, Dekan der Philosophischen Fakultät, betonte, dass die modularisierten Lehramtsstudiengänge in der Form umsetzbar seien. Zudem wurde während der Debatte herausgestellt, dass eine Ablehnung der Studienordnungen in eine Sackgasse führen würde: Sämtliche Ordnungen müssten erneut den Weg von den Instituten über die Fakultätsräte, der Zentralen Koordinierungsgruppe für Lehrerbildung sowie der Senatsstudienkommission durchlaufen. Das Ganze hätte einen Zeitverlust von mindestens drei Monaten zur Folge gehabt – ein Zeitverlust, den sich die Universität in Anbetracht des autokratischen  Drucks durch Bildungsminister Brodkorb nicht hätte leisten können. Das Bildungsministerium hat den Universitäten die Pistole auf die Brust gesetzt und damit jegliche Diskussion um eine nachhaltige qualitative Verbesserung der Lehramtsstudiengänge verhindert.

Wiederholung von Bologna Befürchtet

Darauf wies auch Senator Erik von Malottki hin: „Ich befürchte, dass sich hier das wiederholt, was wir bei Bologna erlebt haben: Ein Studium, bei dem im Anschluss immer wieder nachgebessert werden muss, wofür allerdings niemand an dieser Universität etwas kann. Das Problem liegt hier beim Bildungsministerium.“ Die Vertreter der übrigen Statusgruppen stimmten Erik auch zu. Nur: Welche Alternative haben wir? Was hätten wir machen sollen? – Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Genau diese Tatsache veranlasste die studentischen Senator_innen der Soli-Uni auch dazu, sich bei der Endabstimmung um die neu konzipierten Lehramtsstudiengänge der Stimme zu enthalten. Einerseits wissen wir, dass die neuen Lehramtsstudiengänge studierbar sind. Andererseits wissen wir auch, dass es noch besser geht und noch lange nicht perfekt ist. Es wird Probleme geben. Auf der einen Seite werden wir mit einem erhöhten Prüfungsdruck auf Seiten der Studierenden rechnen müssen, auf der anderen Seite wird die bisherige temporäre Überbelastung der Dozent_innen durch die Einhaltung von Korrekturfristen sich für bestimmte Fächer und Seminare sogar verdoppeln.

Senat erteilt Bildungsministerium Rüge

Um eine optimale Lösung für dieses Problem zu finden, fehlte allen Beteiligten die Zeit. Der zweifelhafte Umgang Brodkorbs Ministeriums mit den Universitäten veranlasste die Universität Greifswald zu einer Stellungnahme, die wir an dieser Stelle veröffentlichen:

„Der Bildungsminister hat nachdrücklich gefordert, zum Wintersemester 2012/13 alle Lehramtsstudiengänge auf neue Studien- und Prüfungsordnungen gemäß der Vorgabe des Lehrerbildungsgesetzes umzustellen. Die Kollegien der lehrerbildenden Fächer sowie die Gremien der Universität haben sich intensiv bemüht, die Satzungen für modularisierte Lehramtsstudiengänge fristgerecht fertig zu stellen. Gleichzeitig mussten alle Beteiligten ohne die immer wieder angekündigte Endfassung der neuen Lehrerprüfungsverordnung arbeiten und somit stets mit wechselnden neuen Rahmenbedingungen rechnen. Der Senat rügt ausdrücklich dieses unzureichend organisierte Vorgehen, das zu einer unzumutbaren Belastung aller Beteiligten geführt hat. Eine weiträumigere Zeitplanung hätte auch zu intensiveren Abstimmungen unter den Lehramtsfächern und mit den entsprechenden Gremien an der Rostocker Universität genutzt werden können.“

was sonst noch war:

Was bleibt sonst noch von der Sitzung festzuhalten? Professor Kessler (Universitätsmedizin) wurde von der Senatsvorsitzenden als ihr Stellvertreter vorgeschlagen und entsprechend ernannt. Professor Dünkel gab bekannt, für eine Wiederwahl zum Prorektor zur Verfügung zu stehen, um die „Restlaufzeit von Westermann zu begleiten.“ Heftige Diskussionen gab es schließlich noch um die Schließung der Fachbibliothek für Erziehungswissenschaften und Psychologie. Während die studentischen Senator_innen sowie das Dekanat der Philosophischen Fakultät in der Schließung eine Schwächung des Greifswalder Lehramtsstudiums sehen, stellt die Schließung für Professor Klaus Fesser hingegen kein Problem dar. Es würden lediglich jahrelange Beschlüsse des Senats umgesetzt. Ebenso hinterfragt wurde der Stand der Dinge bezüglich der Übergriffe auf ausländische Studierende. Rektor Rainer Westermann gab bekannt, dass man in Zukunft durch entsprechende Veranstaltungen und der Zusammenarbeit aller Akteure Fremdenfeindlichkeit abbauen und auf diese Weise derartige Übergriffe in Zukunft unterbinden wolle.

Foto: Nada-193/ jugendfotos.de

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>